Islam Challenge: Januar

Islam Challenge: Januar

Wie in meinem letzten Post angekündigt, werde ich nun monatlich die Islam-Challenge veröffentlichen und freue mich über jeden Teilnehmer. Bitte nutzt auch die Kommentarfunktionen, für eure Fragen und eure Anregungen.

Wir starten den Januar vergleichsweise gemütlich zum Aufwärmen. Viel Spaß!

Für alle:  Sag 100 Mal am Tag: Subhanallah wa bihamdihi!

Zur Erklärung:

Oh ihr, die ihr glaubt! Gedenkt Allahs in häufigem Gedenken und lobpreist Ihn morgens und abends.
(Al-Ahzab, 41-42)

Sag’: subhan Allah wa bihamdihi, subhan Allahi-l-^athim

Der Gesandte sagte über dieses Dhikr:
Zwei Worte, leicht auf der Zunge, schwer auf der Waage, beliebt beim Erbarmer.

Er sagte:
Wer “subhan Allah wa bihamdihi” hundertmal am Tag ausspricht, dem werden seine Sünden vergeben, selbst wenn sie soviel wären wie der Meeresschaum.

Sag’ es auf, egal wo Du bist! Ob im Auto oder Bus, beim Gehen oder Sitzen, in der Moschee oder Zuhause - dieses Dhikr löscht Sünden! Ich habe meine hundert Mal heute morgen in der Bahn gesprochen. Es dauert nur 5 Minuten und bringt dir gewaltigen Lohn! 

zusätzlich dazu kommt eine der beiden folgenden Aufgaben:

              Level 1: Lerne Sure 110, An-Nasr auswendig!

              إِذَا جَآء نَصْرُ اللَّهِ وَالْفَتْحُ

(1) “Idha dscha-a-Nasrullahi ual Fath
(1) “Wenn der Beistand ALLAHs kommt und der Sieg

              وَرَأَيْتَ النَّاسَ يَدْخُلُونَ فِى دِينِ اللَّهِ أَفْوجاً

(2) ua ra-ayta-n-Nasa yadchuluna fi Din-il-Lahi Afuadscha
(2) und du die Menschen in ALLAHs Din (Religion/Lebensweise) in Scharen eintreten siehst,
              فَسَبّحْ بِحَمْدِ رَبّكَ وَاسْتَغْفِرْهُ إِنَّهُ كَانَ تَوبَا
(3) fa sabbih bi Hamdi Rabbika ua-s-taghfir-h, innahu kana Tauuaba.”‘
(3) so lobpreise mit deines HERRN Lob und bitte Ihn um Vergebung! Gewiß, ER ist immer äußerst reue-annehmend.”

Level 2: Lerne Sure 104, Al-Humaza auswendig!

وَيْلٌ لِّكُلِّ هُمَزَةٍ لُّمَزَةٍ
(1) wailu-li kulli humazati- llumaza
(1) Wehe jedem Stichler und Nörgler,
 الَّذِي جَمَعَ مَالًا وَعَدَّدَهُ
(2) alladhi jama’a mâla-wa ‘addada
(2) Der sein Vermögen zusammenbringt und es zählt
يَحْسَبُ أَنَّ مَالَهُ أَخْلَدَهُ
(3) yaHsabu anna mâlahûu akhlada
(3) Und dabei meint, sein Vermögen würde ihn unsterblich machen!
كَلَّا لَيُنبَذَنَّ فِي الْحُطَمَةِ
(4) kallâ la-yumbadhanna fi-l HuTama
(4) Nein, er wird bestimmt in die Zermalmende geworfen werden.
وَمَا أَدْرَاكَ مَا الْحُطَمَةُ
(5)wa mâa adrâka ma-l HuTama
(5) Woher sollst du wissen, was die Zermalmende ist?
نَارُ اللَّهِ الْمُوقَدَةُ
(6)nâru-LLAHI-l muqada
(6)Es ist das angefachte Feuer Gottes,
الَّتِي تَطَّلِعُ عَلَى الْأَفْئِدَةِ
(7) allatî taTali’u ‘ala-l afida
(7)Das die Herzen durchdringt.
إِنَّهَا عَلَيْهِم مُّؤْصَدَةٌ
(8) innahâ ‘alaihim mu.Sada
(8)Es liegt über ihnen zugeschlagen,
فِي عَمَدٍ مُّمَدَّدَةٍ
(9) fî ‘amadim-mumaddada
(9) In langgestreckten Säulen.

Teilzeitmuslima / Islam Challenge

Teilzeitmuslima / Islam Challenge

6 Monate ist es her, dass ich meinen letzten Blogpost geschrieben habe, 6 Monate in denen sich in meinem Leben einiges verändert hat. Ich habe eine Stelle gefunden, die mir sehr viel Spaß macht, ich habe wunderbare neue Kollegen, ein spannendes Arbeitsumfeld – und viel zu wenig Zeit für alles andere. Es ist nicht schön, nein, es macht mich sogar sehr traurig, dass mein Iman in all der Zeit so sehr gelitten hat, dass ich vor einigen Tagen wie erstarrt aufgewacht bin und gemerkt habe, dass ich 6 Monate lang einen großen Fehler begangen habe: Ich bin zur Teilzeitmuslimin geworden.

Da steht es also schwarz auf weiß und es fühlt sich grauenhaft an. Trotzdem möchte ich meine Gedanken mit euch teilen, da ich mir sicher bin, dass ich nicht die einzige bin, die sich so fühlt. Ich muss dazu schreiben, dass mein neuer Arbeitgeber wirklich sehr offen ist und ich daher zu den gegebenen Zeiten beten kann. Auch meine Kollegen hatten von Anfang an kein Problem damit, als ich erzählt habe, dass ich Muslimin bin und daher gerne beten möchte und auch den nahenden Ramadan ernst nehme. Natürlich kamen Fragen auf, die ich gerne beantwortet habe und seitdem ist allen klar, dass ich keinen Alkohol trinke, auch im Sommer lange Ärmel trage und zu bestimmten Zeit bete.  An sich eine super Sache, andere Schwestern würden alles für einen so tollen Arbeitgeber geben.

Mit dem neuen Job gingen neue Arbeitszeiten einher und so kam es, dass ich teilweise erst gegen 20 Uhr zu Hause war, müde vom Arbeiten und nicht zu mehr fähig als einen Happen zu essen und mich hinzulegen. Versteht mich nicht falsch, der Job macht riesigen Spaß. Doch mit den ausgefüllten Tagen auf der Arbeit und der Müdigkeit am Abend vernachlässigte ich nach und nach die Gebete. Da ich die Wochenenden zum Ausruhen nutze und um enge Freunde und meine Familie zu treffen, blieben auch die Treffen mit den Mädels meiner Sonntagsgruppe auf der Strecke. Mein Blog war stillgelegt. Und da ich auf der Arbeit kein Kopftuch trage, fiel mir wahrlich nicht mehr ein, warum ich das Kopftuch in meiner Freizeit noch tragen sollte, da man mich sowieso überall ohne kannte. Doch je länger diese Phase ging, desto klarer wurde mir, dass mir etwas fehlte. Mein Iman war kläglich geschrumpft.

“Hast du den gesehen, der das Gericht für Lüge erklärt? / Das ist der, der die Waise zurückstößt / Und nicht zur Speisung des Bedürftigen anhält. / Wehe den Betenden, / Die auf ihr Gebet nicht achtgeben, / Die nur gesehen werden wollen / Und die Hilfeleistung verwehren!” (Koran, Sure 107, Al Ma’un, Die Hilfeleistung)
“Wehe den Betenden, die auf Ihr Gebet nicht achtgeben…” Ich wusste, dass ich so nicht weiterleben konnte. Es musste einen Weg geben Religion und den Rest des Lebens unter einen Hut zu bringen. Auf jeden Fall musste ich wieder anfangen die Gebete einzuhalten. Denn wenn das Leben nur aus Essen, Schlafen und Arbeiten besteht, hat es keinen Sinn. Doch die täglichen Gebete sind einer der Pfeiler des Glaubens, quasi das Minimum dessen, was ein Gläubiger für seine Religion tun sollte. Es musste mehr sein. All die Hadithe/Aussprüche des Propheten, die es zu lernen gibt, die Suren des Koran, die man auswendig lernen sollte und die verschiedenen Formen des Dhikr/der Lobpreisung Allahs! Und dann kam ich auf die Idee der Islam-Challenge.
Ich bin sicher, dass es so etwas in der ein oder anderen Form längst gibt und doch möchte ich meine Idee mit euch teilen und euch einladen mitzumachen. Ich habe mir vorgenommen jeden Monat eine Aufgabe zu bestimmen, die ich erledigen muss. Da mein Mann auch mitmacht, haben wir es so eingerichtet, dass es eine Aufgabe für beide und eine gesonderte je Person gibt, da mein Mann Muttersprachler ist und daher natürlich auch schneller auswendig lernen kann, bzw. schon in seiner Kindheit sehr viel mehr gelernt hat, als ich bis jetzt weiß. Das verschafft euch den Vorteil, dass es zwei Schwierigkeitsstufen je Monat geben wird. Die Aufgabe für den Januar werde ich in einem gesonderten Post veröffentlichen. Ich freue mich natürlich sehr, wenn ihr mitmacht und bin gespannt auf eure Kommentare.
Zum Schluss möchte ich euch bitten Dua’a/Bittgebete für mich zu sprechen, damit ich meine Gebete insha’allah pünktlich verrichte, meinen Iman wachsen lassen kann und nach und nach wieder in meinen Alltag als Muslimin finde, so wie es sich gehört. Möge Allah euch segnen und uns helfen, standhaft im Glauben zu werden und unsere Pflichten zu erfüllen.
Amin.

Go Halal

Go Halal

Gestern Abend trieb mich und meinen Mann der Hunger um. Ein Döner musste her. Leider hatte unsere Lieblingsdönerei bereits geschlossen und so fuhren wir weiter auf der Suche nach etwas Essbarem. Die Muslime unter den Lesern wissen sicher schon Bescheid: Eine Odyssee begann.

Um eines vorweg zu nehmen: Ja ich nehme die Ernährung nach muslimischen Maßstäben ernst. Für manche scheint das übertrieben, kleinkariert und umständlich. Ich hingegen sehe es als meine Pflicht an, die ich gerne erfülle. Also bin ich mittlerweile zum Profi mutiert, weiß genau Bescheid in welchem Joghurt Gelatine versteckt ist, mache einen Bogen um Hanuta, Joghurette und fertigen Pizzateig und bin trotzdem glücklich. Da ich Fleisch sowieso nicht gerne esse, macht mir das Schweineverbot gar nichts und wenn ich totes Tier alle Schaltjahre einmal zu mir nehme, dann nur aus islamischer Schlachtung. Alkohol habe ich von meiner Konsumliste gestrichen und fühle mich seither viel besser. Und so kommen wir nun also zum eigentlich Knackpunkt meiner gestrigen Reise durch meine kleine Stadt – dem Alkohol. Der Umgang mit Alkohol gilt im Islam als die 13. große Sünde. Wer Samstagabend gegen 22 Uhr schon mal nüchtern durch die Stadt gelaufen ist, weiß auch warum.

Hier also ein kleiner Ausflug in die Islamkunde: Der Prophet s.a.s. verfluchte zehn, die mit Alkohol in irgendeiner Weise in Kontakt kommen:

Jemand, der Bäume pflanzt mit der Absicht Wein zu produzieren, derjenige, der diese Bäume kultiviert, so dass Wein produziert werden könnte, jemand, der Weintrauben presst, derjenige, der Wein trinkt, der Wein serviert, der Wein transportiert, derjenige, der es als Geschenk annimmt, derjenige, der Alkohol verkauft und der es kauft, sowie jemand, der sein Unterhalt durch Alkohol verdient, sei es durch Verkauf oder Produktion.

An alle Flitzpiepen, die mir nun mit „Wein ist aber nicht Bier“ kommen wollen: Ihr wisst Bescheid! Aus o.g. Gründen vermeide ich es also in muslimischen Geschäften einzukaufen, in denen Alkohol verkauft, aber an der Frontscheibe mit „Halal-Ware“ geworben wird. Grund dafür ist, dass ich diese Geschwister nicht unterstützen möchte. Ich habe ein Restaurant auch schon einmal verlassen und dem Wirt mitgeteilt, dass ich erst wiederkomme, wenn kein Alkohol mehr verkauft wird. Es ist nämlich so, dass all das Geld, das er durch Halal-Fleisch verdient, haram (also verboten) wird, wenn es mit dem Erlös aus dem Alkoholverkauf vermischt wird. Er macht dadurch quasi seinen ganzen Umsatz vor Allah zunichte. Und selbst, wenn er mit dem Geld 1000 Waisenkinder füttern würde – die gute Tat würde von Allah nicht angenommen werden, da die Mittel dafür aus einer verbotenen Handlung hervorgehen.

Mir ist durchaus bewusst, dass ich auch bei Aldi und Lidl einkaufen gehe und dort ganze Regale mit Wein, Bier und Schnaps belagert sind. Solange allerdings kein muslimischer Laden aufmacht, der Dinge wie Naturjoghurt, gebeizten Lachs und tiefgefrorene Kräuter zu angemessenen Preisen verkauft, bleibt mir in Deutschland leider nichts anderes übrig. Mein Fleisch kaufe ich ausschließlich beim Marokkaner und beim Türken vor Ort, wo ich sicher sein kann, dass die Tiere islamisch geschlachtet wurden. Rindfleisch vom Aldi kommt mir eben nicht in die Tüte.

So mancher wird beim Lesen vielleicht den Kopf schütteln und fragen, wie man seine Zeit mit solchen Kleinigkeiten verschwenden kann. Für gläubige Muslime ist dies allerdings ein wichtiges Thema, denn nach einem Ausspruch des Propheten s.a.s. heißt es: „Am Tage der Auferstehung wird der Alkoholtrinker zu den Ungläubigen gezählt.“ Und jeder, der die Schuld für diese Sünde auf seinen Schultern trägt, wird dafür bestraft – also Hersteller, Kellner, Freunde, die einen ausgeben usw.

Zu unserem Döner kamen wir dann aber doch noch. Glücklicherweise hatte ein anderer Laden in dem es Halal-Fleisch und keinen Alkohol gibt noch geöffnet. Und dort habe ich gerne und mit gutem Gewissen mein Geld ausgegeben.

Muslime Burnout

Muslime Burnout

Seit längerem hat man keinen Artikel mehr von mir gelesen und das hatte seine Gründe. Wenn man wie ich versucht die Ummah / Gemeinschaft der Muslime aktiv zu gestalten, trifft man – wie bei vielem anderem auch – auf Widerstände. Und wenn man irgendwann oft genug versucht hat gegen Wände zu rennen und immer wieder an diesen abprallt, dann kann man sich auch schon mal die ein oder andere Schürfwunde zuziehen. Dies ist eine Situation der ich sicher schon häufiger begegnet bin, doch hat das Ergebnis nie so weh getan wie im Fall der Muslime. Ich bekam ein Muslime-Burnout.

„Unter dem Burnout Syndrom versteht man einen Zustand emotionaler Erschöpfung. Mit ihm reduziert sich die eigene Leistungsfähigkeit. Der Mensch fühlt sich ausgebrannt, schwach, lustlos und ist nicht mehr fähig, sich in irgendeiner Weise zu erholen.“ liest sich die Definition von Burnout. Und genau das ist es, was ich im Bezug auf einen Großteil der mir bekannten Muslime verspürte. Jeder, der mich persönlich kennt, wird zustimmen, wenn ich erzähle, dass mein erstes Jahr als Muslimin eine wunderbare Entdeckungsreise für mich war. So viel neues Wissen, so viele neue Menschen in meinem Leben, so viele Veränderungen an denen ich gewachsen bin. Ich schwebte auf einem rosa Islam-Wölkchen. Ich habe viele Schwestern kennen gelernt und war geradezu verzückt davon, wie freundlich mich alle aufnahmen und wie gut ich mit ihnen über unsere Religion reden konnte. Ich war ja quasi nur mit Menschen zusammen, die nahezu das Gleiche dachten wie ich! Doch mit der Zeit lernte ich, dass auch Muslime nur Menschen sind und stellte dann einige Verhaltensweisen fest, die mich ärgern.

Eine Sache, die mich besonders stört, ist, dass einige Muslime mit zweierlei Maß messen: Muslime und der Rest der Welt. Sicher, auch ich nahm den Islam als meine Wahrheit an. Doch darf man bitte nicht vergessen, dass es neben uns Muslimen noch Milliarden anderer Menschen gibt, die den Islam nicht als ihre Wahrheit ansehen – was ich persönlich schade finde, aber sicher niemanden dafür verurteilen möchte. Was ich allerdings verurteile, sind jene, die in dieses Land kommen, weil das Leben hier angenehmer ist als im eigenen Land, und dann ihre Rechte einfordern, ohne diese auch für Andersgläubige gelten lassen zu wollen. Aber hier gibt es nun mal Menschen, die sich zum Christentum bekennen und noch sehr viele mehr, die gar nicht an Gott zu glauben. Aber: wenn du nicht damit zurecht kommst, dass Deutschland kein islamisch geprägtes Land ist, dann solltest du dir überlegen in ein Land zu gehen, in dem du dich wohler fühlen würdest. Das ist kein Rassismus und keine Islamfeindlichkeit – es ist eine Tatsache, nein sogar eine Pflicht für uns Muslime!

Was mich auch stört ist die Doppelzüngigkeit, mir der plötzlich viele Muslime zu Pseudo-Gelehrten mutieren sobald du etwas tust, was ihren Ansichten nicht entspricht, wie z.B. ohne Kopftuch arbeiten zu gehen. „Möge Allah dich rechtleiten.“ Umgedreht wird aber gelogen und gelästert, wo es nur geht. Ist das islamisch? Wenn eine Frau aus diversen Gründen kein Kopftuch tragen kann, dann kennt Allah was in ihrem Herzen ist. Vielleicht betet sie jeden Tag dafür, dass Allah ihr eine Möglichkeit gibt das Kopftuch zu tragen? Und Allah kennt ihre Niyya / Abschicht. Aber wie willst du dich rechtfertigen, wenn du hinter jemandes Rücken schlecht sprichst? Was ist bei diesen Worten in deinem Herzen? Bete lieber für deine Schwester, statt sie zu verurteilen. Und ich sage es immer wieder: Ein Bart und ein Kopftuch machen noch keinen Gläubigen, was zählt sind die Taten und die Absicht im Herzen. Möge Allah subhana wa ta’ala uns alle auf den richtigen Weg und zum richtigen Umgang miteinander führen.

Ein großes Thema ist auch, dass Muslime ständig beleidigt sind. Kennt noch jemand den Spruch: „Das sagst du doch nur, weil ich schwarz bin!“? Tja, der gehört jetzt uns. Ich bin es Leid aus jeder Mücke einen Elefanten zu machen. Letztens habe ich einen Facebookpost gesehen, bei dem ein „Switch reloaded“ -Ausschnitt als Hetzerei betitelt wurde. Oh, bitte! Habt ihr nicht bemerkt, dass das eine Satire sein soll? Dass der kleine Mann, der im Kinderfernsehen von der Terroristenfamilie erzählt nur „Spaß“ macht, um den Leuten den Spiegel vorzuhalten? Es hat 17 Kommentare gebraucht der postenden Person zu erklären, dass dies keine wirklich ausgestrahlte Kindersendung ist. Man könnte über diese Situation lachen – wenn sie nicht so traurig wäre. Ich möchte dadurch natürlich nicht kleinreden, welche Anti-Islam-Welle gerade durch unserer Fernseher in die Wohnzimmer dieses Landes gespült wird. Doch bitte ich vor allem die muslimischen Leser darum Ruhe zu bewahren. Nicht jede Kritik ist ein Angriff. Nicht jeder, der gegen den Islam spricht, hat sich überhaupt je damit befasst. Wir müssen einfach dafür sorgen, dass das Wissen über den Islam zunimmt, um Wege zur Kommunikation zu finden. Eine Abschottung von Andersdenkenden bringt uns in keinem Fall weiter.

Mein Muslime-Burnout, das mir die Kraft zur Zusammenarbeit mit muslimischen Geschwistern genommen und mich eine Weile zynisch hat werden lassen, habe ich heute weitgehend überwunden. Trotzdem bin ich nicht über die Nominalmuslime hinweg, die viel reden und wenig machen. Es gehört mehr zum Glauben als sich nur einen Namen zu geben. Trotzdem gibt es viele viele Geschwister, die sich hervorragend engagieren, gebildet sind und die Hand reichen möchten. Auf diese bin ich sehr stolz und bin gerne mit ihnen zusammen. Auch möchte ich darauf hinweisen, dass ich mit Absicht nicht „Islam-Burnout“ geschrieben habe. Der Islam ist vollkommen – er ist mein Weg und meine Quelle der Kraft.

Und an alle, die meine Worte als zu hart empfinden, richte ich ein Zitat von Bassam Tibi:

„Liebe schließt Kritik nicht aus.“

Back to the roots – meine Abstinenzwoche

Back to the roots – meine Abstinenzwoche

Als ich letztens (wie immer) in Facebook war, probierte ich eine neue App aus, die mir verraten sollte, wie viel Zeit ich seit meiner Anmeldung auf eben dieser Website verbracht hatte. Das Ergebnis schockierte mich ein wenig: Über 400 Stunden meines Lebens hatte ich mit Chatten, Apps nutzen, Menschen ausspionieren und der Verbreitung unnützer und nützlicher Nachrichten zugebracht. Was hätte ich mit all der Zeit anstellen können? Mehr für die Religion tun, mal wieder zum Sport gehen, endlich die Vorträge für mein Seminar zu Ende schreiben… Wie viel Zeit würde ich wohl für die wichtigen Dinge im Leben nutzen, wenn ich die unwichtigen aus meinem Leben streichen würde? Ich entschloss mich also kurzerhand mein Verhalten zu ändern und das Experiment „Facebookfreie Woche“ zu starten.

Zusätzlich zu Facebook beschloss ich auf meine Lieblingsserie, Fernsehen im Allgemeinen und jede andere Nutzung des Internets zu verzichten. Erlaubt waren Nachrichten und das Wetter. „Das sollte wohl keine Schwierigkeit darstellen“, dachte ich mir – und dann gings los.

Am ersten Tag bekam ich auf der Arbeit direkt ein Kribbeln in den Fingern. Nur mal schnell alles abchecken, um nichts zu verpassen? Die Zeit ohne Facebook & Co. zog sich quasi wie Kaugummi. Aber als ich dieses erste Gefühl überwunden hatte, wurde mir klar, dass ich viel konzentrierter bei der Sache war. Am Abend ging ich dann tatsächlich in Sport, statt meine Serie zu schauen. Anfangsmotivation eben.

Am zweiten Tag begann ich in Statusmeldungen zu denken. Wie gerne hätte ich solche Dinge wie „Ob ich heute Abend wohl Käsespätzle essen soll?“ oder „Mein Nachbar nervt noch immer – bricht einer mit mir seine Tür ein und liest ihm die Leviten?“ gepostet, aber es blieb mir dank meiner Abstinenz versagt. Das Gute an allem war, dass ich abends tatsächlich endlich einen Vortrag für mein Seminar fertig stellen konnte, da ich ja nichts hatte, das mich ablenken konnte.

Am dritten Tag begann ich die Menschen zu vermissen mit denen ich normalerweise den ganzen Tag über via Facebook in Verbindung stand. Gut, ich hätte meine Schwester natürlich auch einfach anrufen können, aber das wäre zu einfach gewesen. Am Abend merkte ich, dass es mir nach dem Arbeiten unmöglich war noch ein Buch in die Hand zu nehmen oder mich mit etwas sinnvollem zu beschäftigen. Also fand ich mich abends doch vor dem Fernseher wieder.

So zogen sich die Tage dahin und ich merkte, dass ich dank der Nachrichten zwar informiert war, mir aber der Austausch mit den anderen fehlte. Es war die Zeit in der die Aufstände in Lybien ihren Lauf nahmen. Und wieder einmal fiel mir auf, dass wir in Deutschland ziemlich zensierte Nachrichten zu lesen, hören und sehen bekommen. Als ich nämlich Tage später wieder online ging, fand ich dank der Postings meiner Freunde eine Fülle an Informationen, die mir durch Tagesschau und co. verwehrt blieben. Livebilder aus Lybien, Hintergrundinformationen und Einladungen zu Demos empfingen mich – neben den obligatorischen „500+“ neusten Meldungen.

Mein Fazit: Die Woche tat mir gut, da ich mich auf die wirklich wichtigen Dinge in meinem Leben konzentriert habe. Allerdings habe ich das Gefühl die Möglichkeiten der modernen Kommunikation heute zu „brauchen“, um mich – am Besten in Echtzeit – auf dem Laufenden halten zu können. Für die Zukunft nehme ich mir vor Facebook und Konsorten in Maßen zu genießen. Allerdings ist es so, dass sich das Leben heute scheinbar auf diesen Plattformen abspielt. Wie sonst lässt sich erklären, dass ich in dieser Woche keinen einzigen altmodischen Anruf erhalten habe?

Das ist ein Weckruf!

Das ist ein Weckruf!

Es ist immer wieder schön anzusehen wie leidenschaftlich die muslimischen Geschwister werden, wenn es um das Muslimsein an sich geht. Stolz sind sie, aber besorgt, dass das Image der Muslime in Deutschland und Europa allgemein nicht das Beste ist. Von Hetze ist die Rede, von Verleumdung und Falschdarstellungen. Und ich sitze dabei und ich stimme ihnen zu. Schade, dass Muslimsein nicht „normal“ sein kann in diesem Land, in dem Demokratie und die damit verbundene Religionsfreiheit so groß geschrieben werden. Lasst uns etwas ändern! Lasst uns auf die Menschen zugehen, ihnen die Hand reichen! Lasst uns zeigen, dass wir nette Menschen sind und vor allem: Dass auch wir muslimischen Frauen ein Gehirn zum Denken und einen Mund zum Sprechen haben. Aber statt euphorischem Freudenjubel schlägt mir betretene Stille entgegen.

Es gibt in der Ummah ein riesiges Problem, mit dem wir Muslime uns selbst den Weg in eine gute Zukunft im Diesseits und im Jenseits versperren. Es betrifft die guten Taten, ob mit dem Herzen, der Zunge oder den Handlungen. Es gehört zu den Pflichten eines Muslim verabscheuungswürdige Zustände zu ändern – unser Image in Deutschland ist ein solch verabscheuungswürdiger Zustand. Wenn man nun aber zur Teilnahme an einem sozialen Event aufruft, zu einer Demo, einer Spendenaktion, zum Helfen generell, stößt man auf taube Ohren. „Gerade an diesem Tag habe ich keine Zeit.“, „Mein Mann lässt mich nicht.“ oder „Wir sind Frauen und gehören nicht in die Öffentlichkeit“ sind nur einige Beispiele der Ausreden, die man zu hören bekommt.

Fakt ist, dass niemand etwas an unserem Bild in der Gesellschaft ändern kann, als wir selbst. Wenn wir aber lieber zu Hause im stillem Kämmerlein vor uns hinjammern, statt die Sache selbst in die Hand zu nehmen, kann das nichts werden. Es gibt sicher immer gewisse Gründe nicht an vorderster Front für unsere Rechte zu kämpfen – aber jeder kann seinen Teil beisteuern, indem er hinter den Kulissen tätig wird. Wer sich nicht zutraut an einem Infostand in der Stadtmitte Dawa-Arbeit zu betreiben, kann möglicherweise die dort aktiven Geschwister mit Kuchen und Getränken versorgen. Oder das Kind einer Schwester betreuen, während sie dort ist. Wer nicht die Zeit findet auf dem Flohmarkt Dinge für den guten Zwecke zu verkaufen, kann das gleiche anonym bei Ebay tun und den Erlös spenden. Alles ist besser als die Hände in den Schoß zu legen und sich darüber zu beschweren, dass man mal wieder „Kopftuchmädchen“ genannt wurde.

Daher gilt mein Appell allen Menschen, die dies lesen: In uns liegt soviel Potenzial zum friedlichen Miteinander, zur Aufklärung über unsere Religion, zum Entwickeln neuer Ideen. Traut euch! Engagiert euch! Jeder Bruder und jede Schwester, jeder Muslim und jeder Nicht-Muslim kann seinen Teil beisteuern und damit ein Stück weit für eine bessere Welt sorgen – und das alles ganz ohne in irgendeiner Weise unserer Religion zu widersprechen. Denn: „Wer nun Gutes im Gewicht eines Stäubchens tut, wird es sehen. Und wer Böses im Gewicht eines Stäubchens tut, wird es sehen.“ (Sure 99:7 ff.)

Stammtischparolen, Teil 4

Stammtischparolen, Teil 4

Die heutigen Diskussionen über Islam und Christentum zielen weitgehend darauf ab, die Unterschiede zwischen den beiden Religionen aufzubauschen und die Kluft zwischen beiden zu vergrößern, statt sich die Hände zu reichen. Grund genug im letzten Teil der Serie „Stammtischparolen!“ ein bisschen Aufklärung zu leisten zum Thema: „Die glauben an Allah und wir an Gott – wir haben nichts gemeinsam.“

Vor einigen Wochen habe ich mich mit einer Freundin über Glauben unterhalten: „Glaube du ruhig an Allah, ich glaube an Gott.“ Ich wies meine Freundin dann daraufhin, dass Allah Gott IST, was sie bass erstaunt mit „Also glaubst du auch an Gott??“ beantwortete. Ja, liebe Menschen, wir Muslime haben uns keinen „neuen“ Gott ausgedacht. Wie auch die Christen glauben wir an den einen Gott, den Schöpfer der Himmel und der Erde, der die Menschen schuf, und vor dem wir uns am Ende der Zeiten vor dem jüngsten Gericht verantworten müssen – sein arabischer Name lautet neben 98 anderen: Allah (subhana wa ta’ala), wie ihn auch die arabischen Christen nennen. Auch glauben wir als Muslime an alle Propheten, an die auch die Christen glauben: Adam/Adam, Noah/Nuh, Abraham/Ibrahim, Mose/Musa, Hiob/Ijob, David /Dawud, Jona/Junus, Jesus/Isa (Allahs Frieden auf ihnen allen) und viele andere mehr.  Nur glauben wir nicht, dass Jesus der leibliche Sohn Allahs war, sondern, dass er durch ein Wunder der Jungfrau Maria zum Sohn geboren wurde und ein Prophet war. Die Jungfrau Maria spielt auch im Islam eine so große Rolle, dass ihr im Koran eine eigene Sure gewidmet wurde. Sie gilt sogar als die beste Frau der Menschheit! Das erste Gebot der Christen lautet: „Ich bin der Herr, dein Gott! Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ und das Glaubensbekenntnis der Muslime beginnt mit: „Ich bezeuge, dass es keinen Gott gibt, außer Allah (…)“. Hierin sind wir uns schon einmal einig.

Sowohl Christen, als auch Muslime glauben an die Vergebung der Sünden durch Allah. Sicherlich gibt es in der Ausführung große Unterschiede, aber wir wissen, dass Allah der Allerbarmer, der Barmherzige ist, dem wir uns reuevoll zuwenden, wenn wir Sünden begangen haben. Christen glauben, dass alle Menschen durch Jesu Tod und die damit verbundene Sündenreinigung aller Menschen ins Paradies eingehen. Im Islam bekommt man nichts geschenkt und muss sich das Paradies verdienen, d.h. versuchen ein guter Mensch zu sein und den Sündenkatalog möglichst klein zu halten, was meiner Meinung nach ein fairer Deal ist. So haben die Muslime durch Allahs Gnade die Möglichkeit ins Paradies einzugehen, denn nur Er alleine entscheidet, wer Zugang zum Paradies bekommt und wer in der Hölle für seine schlechten Taten bezahlen muss. Wer ins Paradies eingehen darf und wer nicht, entscheidet Allah am Tage des jüngsten Gerichts, an dem jeder einzelne Mensch sich für seine begangenen Taten rechtfertigen muss, sowohl laut christlicher als auch islamischer Glaubenslehre.

Beide Glaubensrichtungen halten daran fest, dass Gottes unverfälschtes Wort in den heiligen Büchern niedergeschrieben ist. Die Christen glauben dabei an das Alte Testament, das so gut wie komplett dem Tanach, der heiligen Schrift der Juden entspricht, und das Evangelium von Jesus. Die Muslime glauben zusätzlich an den Koran und das „Siegel der Propheten“, nämlich Muhammad s.a.s. Ja, das Wort zusätzlich steht hier nicht aus Versehen: Muslime glauben auch an die heiligen Schriften der Juden und Christen. Allerdings ist es hier wichtig nur die Urformen der jeweiligen Schriften gelten zu lassen, da die Schriften, die wir heute zu lesen bekommen, nachweislich durch Menschenhand verfälscht wurden.

Natürlich gibt es im Praktizieren unserer Religionen große Unterschiede und die Kirche hat ihr Übriges dazu getan Regeln aufzustellen, die Christentum und Islam scheinbar voneinander trennen. Dabei haben Juden, Christen und Muslime den gleichen Ursprung und wurden von Gott bzw. Allah geschaffen. Auf das Judentum folgte das Christentum, und auf dieses der Islam, der laut Koran alle vorherigen Schriften aufhebt und die vollkommene Religion ist. Bis heute wurde der Koran nicht verändert und das seit über 1400 Jahren.

Christentum und Islam sind sich also ähnlicher, als so mancher es wahrhaben will: Wir glauben an einen einzigen Gott, an die gleichen Propheten, an das Jenseits mit Paradies und Hölle, an die Vergebung unserer Sünden durch Gott und die Erschaffung der Erde und der Menschen durch ihn. Wir sollten also versuchen in unserem Alltagsleben unsere Gemeinsamkeiten zu finden, in den Dialog miteinander zu treten und in Frieden miteinander zu leben. „Ihr habt eure Religion, und ich habe meine Religion. (Sure 109:6).

Stammtischparolen, Teil 3

Stammtischparolen, Teil 3

Mit der Parole„Wenn die hier eine Moschee bauen, will ich auch eine Kirche in der Türkei“ habe ich das nachstehende Thema bereits angekündigt und sogleich von einigen Lesern bestätigt bekommen, dass dies ein Satz ist, der schon öfter gehört wurde. Grund genug zu recherchieren und mich ordentlich ins Thema einzulesen – doch leider war dies schwieriger als angenommen, da ich kaum statistische Informationen zu den verschiedenen Gotteshäusern in Deutschland und der Türkei finden konnte. Trotzdem möchte ich euch von dem berichten, was ich gefunden habe und hoffe euch einen kleinen Überblick verschaffen zu können.

Beginnen möchte ich mit einigen Zahlen und Fakten. Um vergleichbare Zahlen zu erhalten habe ich die Anzahl der angegebenen Gotteshäuser mit der Anzahl der Gläubigen in Beziehung gesetzt. Nachstehend eine kleine Aufstellung zum ersten Überblick.

Land Christen % an Bevölkerung Kirchen
Deutschland 57,1 Mio. 69,40% 15.471
Türkei 100.000 0,20% 300
Land Muslime % an Bevölkerung Moscheen
Deutschland 4,2 Mio. 7,40% 159
Türkei 74,3 Mio. 99,00% 79096

Diese Angaben sind Circa-Angaben, die ich mir aus dem Internet zusammengesucht habe. Ich möchte hier noch einige Anmerkungen anbringen. In der Türkei leben 85% der ansässigen Muslime in Istanbul, wo auch die meisten Kirchen stehen, nämlich 200 Stück. Die Zahl der Christen ist in der Türkei relativ klein, aber ich möchte hierbei betonen, dass bereits 1928 unter Atatürk der Islam als Staatsreligion abgeschafft wurde und sich daher jeder selbst aussuchen kann, an was er glaubt. Auch die Zahl der Muslime in der Türkei ist sicher nicht ganz richtig, da Atheisten und andersgläubige (außer Juden und Christen) nicht gezählt werden und direkt in die Zahl der Muslime einfließen. Zu den Moschen in Deutschland: Hier wurden die Moscheen mit Minarett und Kuppel gezählt, da diese ja auch Stein des Anstoßes sind. Es gibt sicher noch weitere Hinterhofmoscheen, die nicht gezählt werden. Was auffällt ist die Zahl der Gotteshäuser im Vergleich zur Zahl der Gläubigen. In der Türkei stehen 300 Kirchen für 100.000 Christen zur Verfügung. In Deutschland ist es nur die Hälfte an Moscheen für die 42fache Zahl an Gläubigen. Daher dürfte die Parole „Dann will ich aber auch eine Kirche in der Türkei“ hinfällig sein.

Ich möchte das Thema an sich gerne nutzen, um noch ein wenig über den Hintergrund der zugrunde gelegten Forderung zu schreiben. Motivation für diese Aussage ist das Bedürfnis das Gleichgewicht zwischen den Religionen zu wahren, man möchte sich nicht unterbuttern lassen. So wird jeder neue Moscheebau als Angriff auf die eigene Religion und als Demonstration eines Machtanspruchs verstanden. Jeder Höhenzentimeter eines geplanten Minaretts wird kritisch beäugt und mit der Höhe des örtlichen Kirchturms verglichen, damit die Muslime bloß nicht denken, dass das höhere Minarett auch gleichzeitig Überlegenheit symbolisiert. Sicher gibt es den ein oder anderen Muslim, der Deutschland eigenhändig islamisieren will und wünscht, dass sich der Islam als Staatsreligion in Deutschland etabliert. Doch wollen wir die Moschee mal im Dorf lassen. Wir leben alle gemeinsam in einem Land, dessen Grundgesetz die Religionsfreiheit zusichert. Sicherlich ist darin auch der Bau eines Gotteshauses für die eigene Religion inbegriffen, doch muss ich mich mal auf die Seite der Angsthasen schlagen, die meinen das ein Minarett mit der Weltherrschaft gleichzusetzen ist. Ist es wirklich nötig, dass wir Muslime in jedem kleinen Dorf eine riesige Moschee bauen, die zwar schön aussieht, aber sehr spärlich besucht wird? Tut es ein kleines Minarett nicht auch, muss es immer größer, höher und schmuckvoller sein? Ich finde Moscheen wie unsere Emir-Sultan-Moschee in Darmstadt auch zauberhaft, aber grundsätzlich sollen wir nicht zum gucken, sondern zum lernen und beten in die Moschee kommen. Und alle Nicht-Muslime, vor allem die, die Angst vor den neuen Moscheen und den Muslimen haben, lade ich gerne ein die Moscheen dieses Landes zu besichtigen und vielleicht sogar einmal an einer Freitagspredigt teilzunehmen, damit sie sehen, dass wir auch nur Menschen sind, wie ihr es seid. Damit sie sehen, dass wir in der Moschee nicht wie Pinky und Brain planen die Weltherrschaft an uns zu reißen, sondern Gott dienen wollen, so gut wir können.

Lest nächstes Mal zum Abschluss der Serie mehr zum Thema „Die glauben an Allah und wir an Gott – wir haben nichts gemeinsam.“

Ich empöre mich! – Ein Zwischenruf

Ich empöre mich! – Ein Zwischenruf

„Anschläge schrecken Berlins Muslime auf. Innerhalb von nur sechs Monaten gab es sieben Anschläge auf Berliner Moscheen. Zuletzt wurde ein Feuer in Wilmersdorf gelegt. Die Muslime in der Hauptstadt fürchten weitere Übergriffe.“, las ich heute Morgen in der Online-Ausgabe des Stern und erschrak. Ich hatte bereits vor Tagen davon gelesen und mich nun noch einmal dem Thema gewidmet. „Als sie fertig sind, sehen sie verkohltes Holz, eine verrußte Wand und eine Nachricht, über die die Beamten auch jetzt, Tage danach, noch wenig sagen wollen. Nur so viel: Man gehe von einer politischen Motivation für den Anschlag aus.“ heißt es weiter und ich bin bestürzt, dass so etwas passiert. Hatten wir das nicht schon einmal, dass Gotteshäuser gebrannt haben?

Es macht mich sehr nachdenklich, dass solche Anschläge in Deutschland passieren. Ich wähle bewusst das Wort Anschläge, da dieses Wort immer im Zusammenhang mit von Muslimen begangenen Straftaten genutzt wird – hier halte ich es für angebracht.

Es wird den Muslimen ja immer vorgeworfen sie stellten sich selbst als Opfer dar, als „die Juden des neuen Jahrtausend“, verachtet, verfolgt und gedemütigt. Ich finde diese Haltung ist nur teilweise gerechtfertigt und sehe ganz klar, dass die Muslime in Deutschland selbst mehr tun müssen, um ihren Ruf wieder ins rechte Licht zu rücken. Wer alles schweigend hinnimmt, muss damit rechnen irgendwann selbst verdächtigt zu werden. Allerdings fällt dann im Zusammenhang mit solchen Nachrichten auf, dass doch ein Fünkchen Wahrheit in den Klagen der Muslime steckt. Die Kopftuchdebatte und die ständigen Terrorwarnungen fruchten eben irgendwann, die Menschen bekommen Angst. Sicher muss vor durchgeknallten Bombern gewarnt werden, aber wenn ich folgendes im Verlauf des Artikels lese, schnürt sich mir die Kehle zu: „Der SPD-Politiker Erhard Körting hatte in einem Interview erklärt, die Berliner sollten seltsam aussehende oder arabisch sprechende Nachbarn den Behörden melden.“ Mittlerweile hat der gute Mann versucht seine Aussagen zu relativieren und gibt zu , dass die politische Stimmung im Land Straftaten gegen Muslime auslösen können. Aber lieber Herr Körting: Was gesagt ist, kann nicht zurückgenommen werden. Wenn die Wahrheit über die eigene Denke ans Licht kommt, kann man sie nicht mehr verwischen. Die Aussagen stehen schwarz auf weiß im Internet und den Zeitungen dieses Landes – und es gibt Menschen, die sich dadurch beeinflussen lassen und das für ihre niederen Beweggründe ausnutzen.

Dass es in Deutschland brodelt ist spätestens seit Sarrazins „Sachbuch“ spürbar. Das weit nach rechts ausgescherte Gedankengut ist von der untersten sozialen Schicht bis nach fast ganz oben geklettert und hat sich dann in der öffentlichen Debatte über Sarazzin und Wilders entladen. Dass es diese Gedanken gibt, war mir nie fremd, schließlich bin ich in einem kleinen Örtchen aufgewachsen, in dem viele von Ausländern nichts halten, aber gerne nach Tunesien in den Urlaub fahren. Damit bin ich schon immer konfrontiert worden. Ich finde es aber erschreckend, dass die Abneigung gegenüber dem Islam und Muslimen sich in solchen Taten ausdrückt. Was, wenn in der Moschee Menschen gewesen wären? In diesem Zusammenhang muss ich mich auch über eine Aussage empören, die von der Bundesregierung auf die Frage nach Einführung der Kategorie „muslimfeindliche Straftaten“ getroffen wurde: „ein gesondertes Unterthema ‚muslimfeindlich‘ oder ‚islamfeindlich‘ gibt es nicht.“ Gibt es diese wirklich nicht? Was ist mit den Anschlägen auf Moscheen und den Übergriffen auf Muslime? Warum werden antisemitische Straftaten statistisch erfasst, antmuslimische aber nicht? Hier ist meiner Meinung nach ganz klar zu sehen auf welcher Seite die Bundesregierung steht und was sie vertuschen will. Sehr schade.

So dramatisch es sich anhören mag: ich bin der festen Überzeugung, dass eine Situation ähnlich der zu Zeiten Hitlers vor dem 2. Weltkrieg wiederkommen kann. Mir ist schon oft aufgefallen, dass eine Ansammlung von mehr als drei Menschen zu Herdenverhalten führt und Mitläufer gibt es wie Sand am Meer. Jetzt schreien natürlich alle: „Wir mit unserer deutschen Geschichte im Hinterkopf doch nicht!“ Aber glaubt mir, wenn Sarazzin gewollt hätte, hätte er eine Partei gründen und Deutschland auf den Kopf stellen können. Und viele viele Menschen hätten in dabei auch noch unterstützt. Seid euch dieser Gefahr bewusst! Daher appelliere ich an alle Menschen: Bildet euch, lernt zu differenzieren. Etwas nachsprechen, das man gehört hat, steht Papageien gut, nicht aber den Menschen.

PS: Letztes WE wurden bei der sich im Aufbau befindlichen Salam-Moschee in Darmstadt alle neuen elektrischen Leitungen mutwillig rausgerissen. Was soll ich dazu noch sagen?

Links zum Nachlesen:

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,739073,00.html

http://www.migazin.de/2011/01/07/muslimfeindlich-oder-islamfeindlich-gibt-es-nicht/

Stammtischparolen, Teil 2

Stammtischparolen, Teil 2

Kommen wir nun zum zweiten Thema der Reihe „Stammtischparolen“:

„Muslime tragen weite Kleidung, um Ihren Sprengstoffgürtel darunter zu verstecken.“

Diese Aussage beinhaltet zwei Themen: Zum einen möchte ich auf die Bekleidungsvorschriften des Islam eingehen. Nach meiner Konversion zum Islam konnte man natürlich auch äußerlich erkennen, dass sich etwas getan hatte. Nicht nur, dass das Kopftuch hinzukam, auch der Rest meiner Kleidung wurde länger, weiter und bedeckender. Ich habe im Sommer zwar schon öfter gehört, dass ich doch sicher schlimm schwitzen müsse in meiner zugeknöpften Klamotte, aber das ist nicht der Fall. Ich zeige zwar weder meine Arme und Beine noch Ausschnitt, aber deswegen kann ich mich trotzdem luftig kleiden. Sicher ist das für einige nicht nachvollziehbar, wo man doch so gerne zeigt, was man hat, aber ich fühle mich ohne Stoff am Leib nicht mehr wohl. Gott sei Dank gibt es wunderschöne Tuniken und bodenlange Sommerröcke, sodass ich zum einen Erstickungserscheinungen und zum anderen einen Sonnenbrand vermeiden kann! Aber nicht nur wir Frauen sind angehalten uns bedeckend zu kleiden, auch die Männer sollen so angezogen sind, dass der Anstand gewahrt wird. Daher tragen viele, die sich an die Sunna / Verhaltensweise unseres Propheten s.a.s. halten, weite Kleidung, um den Körper nicht zur Schau zu stellen. Außerdem ist es den Männern nicht erlaubt Seide und Gold zu tragen, Frauen dürfen dies. Generell gilt die Faustregel sich schlicht zu kleiden, nicht mit dem Erschinungsbild anzugeben und saubere Garderobe zu tragen. Außerdem ist es den Männern untersagt sich wie Frauen zu kleiden und auch den Frauen untersagt die Männer zu imitieren. Zu den Bekleidungsvorschriften gibt es etliche Hadtihe / Aussprüche des Propheten s.a.s. und viele Überlieferungen welche Kleidungsstücke der Prophet getragen hat, sodass ich hier Seite um Seite niederschreiben könnte. Ich möchte hier nur wieder einmal darauf hinweisen, dass nicht das, was Muslime tun, sondern das, was Koran und Sunna vorschreiben, den Islam ausmacht. Daher wundert euch nicht über Mädels in knallengen Hotpants und Jungs mit offenem Hemd und Goldkettchen. Mein Appell geht eher an alle Geschwister im Islam: Bedenkt welche Vorbildrolle ihr als Muslime inne habt. Die Menschen werden aus eurem Erscheinungsbild und eurem Verhalten Rückschlüsse auf den Rest der Ummah / muslimischen Gemeinde ziehen – vor allem die Menschen, die außer euch wahrscheinlich kaum einen anderen Muslim kennen. Also benehmt und kleidet euch anständig und so, wie es eurem Schöpfer gefällt.

Zum anderen beinhaltet der heutige „Leitsatz“ wie schon so häufig besprochen das Thema Gewalt im Islam. Ich habe diese Ayat / Verse aus dem Koran schon öfter genutzt und ich werde nicht müde sie zu wiederholen: “Allah liebt nicht die, welche Unheil stiften” (Sure al-Qasas: 77) und “Aus diesem Grunde haben Wir den Kindern Israels angeordnet, dass wer einen Menschen tötet, ohne dass dieser einen Mord begangen oder Unheil im Lande angerichtet hat, wie einer sein soll, der die ganze Menschheit ermordet hat. Und wer ein Leben erhält, soll sein, als hätte er die ganze Menschheit am Leben erhalten. Und zu ihnen kamen Unsere Gesandten mit deutlichen Beweisen; aber selbst dann waren viele von ihnen (weiterhin) ausschweifend auf Erden.” (Sure al-Ma’ida: 32). Wer also einen Anschlag verübt, der widerspricht dem Koran und damit dem Muslimsein! Nur, wenn Muslime in eine Notlage geraten und selbst angegriffen werden, dürfen sie sich mit Gewalt wehren. Außerdem steht im Koran: „Und tötet euch nicht selbst.“ (Sure 4:29). Wie viele Beweise gegen Selbstmordanschläge brauchen die Täter also noch? Ich bitte euch liebe Geschwister: Werdet nicht müde den Islam zu verteidigen und erklärt den Menschen, dass wir von nicht gerechtfertigten Gewaltakten Abstand nehmen! Wir sind solch eine große Mehrheit, die sich gegen diese radikalen Maßnahmen aussprechen und das müssen wir auch öffentlich kund tun! Ich weiß es ist schwer, aber wir müssen gegen die hassverbreitenden Medien anrennen und ihnen die Stirn bieten. Und an die Nichtmuslime muss ich wie immer appellieren: Holt euch die Informationen über den Islam nicht aus den Medien. Sprecht mit jemandem, der sich in der Religion auskennt, nutzt den Tag der offenen Moschee, der jeden 03. Oktober stattfindet und lest bei Gelegenheit den Koran, um ihn und die Muslime wenigstens ansatzweise zu verstehen. Leider begegne ich in letzter Zeit immer öfter Menschen, die sich überhaupt nicht mit dem Thema auseinandersetzen und lieber bei ihren Vorurteilen bleiben möchten – schließlich ist das ein herrlich einfacher Weg. Noch öfter begegne ich allerdings Menschen, die mich auf den Islam ansprechen, sich informieren wollen und großes Interesse an einem guten Zusammenleben haben. Dafür bin ich dankbar. Ich freue mich über jeden, der fragt, also traut euch!

Lest beim nächsten Mal mehr zum Thema „Wenn die hier eine Moschee bauen, will ich auch eine Kirche in der Türkei!“